Beethovens 1. Sinfonie

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven

Er kam, sah und siegte: Ludwig van Beethovens erste Sinfonie war ein musikalischer Paukenschlag. Der Komponist betrat im Jahr 1800 die Welt der Sinfonie und formte mit seinen 9 Meisterwerken innerhalb von 25 Jahren eine Gattung neu, verwandelte sie von einer geschätzten und angesehenen musikalischen Form zum Gipfel der absoluten Musik. Und das gleich so nachhaltig, dass selbst ein Komponist wie Johannes Brahms 14 Jahre detailbesessen an seinem eigenen sinfonischen Erstling arbeitete, bevor er ihn der Öffentlichkeit vorstellte – 76 Jahre nach Beethovens Opus 21 und immerhin noch 52 Jahre nach dessen 9. Sinfonie. Mit dem zweifelhaften Ergebnis, dass sie als Beethovens 10. bezeichnet wurde und damit zugleich alle Bemühungen Schuberts, Mendelssohns, Schumanns sowohl zahlloser Komponistenkollegen, an Beethoven vorbei ihren eigenen sinfonischen Weg zu finden, per Definition als unwürdige Vertreter ihrer Gattung abgewertet wurden. Beethovens Weg, aus kleinsten musikalischen Motiven eine musikalische Großform zu schaffen, wurde zum Gradmesser der Kompositionsarbeit für die folgenden 150 Jahre, ja in Teilen noch bis heute.

Bethovens Alleinstellungsmerkmale

Beethoven 1805

Ludwig van Beethoven

Baron van Swieten - Beethoven

Baron van Swieten, dem Beethoven sein Opus 21 widmete

Zahllose Abhandlungen sind über die harmonische Kühnheit der C-Dur-Sinfonie, die ja mit einem Tonika-Septakkord beginnt, verfasst worden. Auf diese Weise entzog Beethoven dem kundigen Hörer für einige Sekunden die tonale Basis, eine Freude, die er auch ins rhythmische übertrug, indem er durch starke Sforzati auf schwachen Zählzeiten die Schwerpunkte im Takt so verlagert, dass man beim ersten Hören leicht ins Stolpern kommen kann. Eine weitere Neuerung ist das Tempo des Menuetts, das deutlich schneller gespielt werden muss als die Menuette seiner Zeitgenossen. Diese dramatische Temposteigerung wird ihren vorläufigen Höhepunkt in der 3. Sinfonie finden, in welcher Beethoven schließlich erstmals den Begriff des Scherzos als Satzbezeichnung anwenden wird. Angelegt wird diese Entwicklung aber bereits in der 1. Sinfonie, deren 3. Satz ein weiterer Beleg dafür ist, wie Beethoven die musikalische Gattung der Sinfonie an sich reisst und sie seinem Willen unterwirft. Ein Detail, das bis heute in der Beethoven-Forschung übersehen wird, ist die Metronomisierung der 2. Satzes. Die Metronomangabe (immerhin von Beethoven selbst) lässt ein ruhiges Dahinschreiten kaum zu. Doch wenn der Satz im geforderten Tempo gespielt wird, entsteht beim Hörer der Eindruck, es könne sich bei diesem Satz im ein Menuett handeln. Ein Menuett, das völlig aus dem Ruder läuft, und sich im weiteren Verlauf des Stücks doch als Leideform herausstellt. Das eigentliche Menuett im dritten Satz, das ja rasant gespielt wären muss, klingt beim ersten Hören wiederum wie ein Finalsatz, so dass beim ersten Hören der Eindruck einer ständigen Unsicherheit beim kundigen Publikum geblieben sein muss. Auch das heitere Rondo-Finale ist trotz aller Leichtigkeit das Ergebnis von kompositorischer Willenskraft, wie die motivisch-thematische Arbeit erkennen lässt. Emotional wird mit dieser Sinfonie bereits die Tür zur Romantik weit aufgestossen, denn hier erscheint erstmals der bewusste Künstler, der sich und sein Werk ins Zentrum seines Schaffens stellt.

Mozarts 3. Violinkonzert

Mozarts Violinkonzerte wurden allesamt für den eigenen Gebrauch komponiert – 5 vollständige Werke dieser Gattung sind bis heute überliefert. Sein G-Dur Konzert verbindet Virtuosität mit musikalischem Humor und Lebensfreude. Das Anfangsritornell des ersten Satzes weist große Ähnlichkeit mit einer Arie aus der einige Monate zuvor uraufgeführten Oper Il Re Pastore auf; inwiefern dem Violinkonzert ein theatralischer Hintergedanke zu eigen ist, lässt sich aus den Quellen leider nicht belegen. Im ruhig dahinfliessenden Mittelsatz verändert Mozart die Farben des Orchesters, indem er die 2 Oboen durch 2 Flöten ersetzt, die Geigen con sordino spielen lässt und der Bassgruppe Pizzicato vorschreibt. Doch damit lassen sich die Veränderungen nur bedingt beschreiben, es scheint, als ob sich der gesamte Gestus der Musik sich in eine neue Richtung bewegt, die den musikalischen Neuerungen des dritten Satzes die Tür öffnen soll. Nachdem sich das Rondofinale zunächst den Hörgewohnheiten der Zeit entsprechend entwickelt, bricht die Musik plötzlich ab, aus dem 3/8-Takt wird ein Andante alla breve und die Violine spielt eine galante Gavotte in g-moll. Doch auch diese wird nicht zu Ende geführt, es erscheint eine weitere Melodie im Allegretto, die nach G-Dur zurückkehrt. Mozart, der Neuerer, durchbricht hier wie einige Jahre später Beethoven mit seiner ersten Sinfonie gründlich die Tradition und führt so eine Gattung in eine neue Ära.

Außerdem im Programm:

Camille Saint-Saëns: Introduction et Rondo cappricioso Opus 28

Ludwig van Beethoven: Coriolan-Ouvertüre